Nötig, lästig, wichtig. Nichts ist erholsamer, nichts ist erfrischender, nichts kann mehr quälen, wenn es nicht geht: Schlaf. Warum wir ihn brauchen, ist noch immer nicht bis in das letzte Detail von der Forschung geklärt. Nur eines ist absolut gewiss: Wir brauchen unseren Schlaf, um gesund zu bleiben und uns wohl zu fühlen.

Wer sich nachts im Bett wälzt, weil die Gelenke schmerzen, und keine Ruhe findet, kann ein Lied voller Leiden davon singen. Im Kopf kreisen irgendwann die Gedanken, die Sorgen schwellen zu riesigen Problemen an, die schier unlösbar einem auf den Magen schlagen. Und wenn dann doch noch ein wenig Ruhe kommt, jagt die Blase den müden Schläfer aus den Decken und lässt ihn verschlafen ins Badezimmer schwanken. Frustrierende Erkenntnis, dass zwar der Harndrang quälend war, es jedoch für den Gang zur Toilette keinen Grund gab. Dann wieder zu Bett und das Gleiche beginnt von vorn. Schlafstörungen greifen so schwerwiegend in unser Leben ein, dass sie nicht leicht hingenommen werden dürfen.

Dabei sieht es doch so einfach aus. Die Nachtwäsche anziehen, sich hinlegen, das Licht löschen und die Augen schließen. Schon senkt sich Stück für Stück die Ruhe über das Bewusstsein und der mysteriöse Vorgang des Einschlafens beginnt. Die Lider werden schwer und die Atemzüge ruhiger, tiefer. Viel Sauerstoff kommt in die Lungen, während die Gedanken immer schleppender durch das Gehirn wandern. Die Erinnerungen werden stiller und verschwinden nach und nach im Nebel.

Während für uns die Welt verschwindet und sich sozusagen alles ausschaltet, bleibt das Gehirn aktiv. Forscher sind schon lange den Geheimnissen des Schlafes auf der Spur. Unser Gehirn ist, während wir schlafen, sehr aktiv, die Hirnwellen verändern sich. Der Körper schaltet nicht einfach ab, sondern bleibt in Grenzen aufmerksam. Mütter kennen das. Sie werden sofort wach, wenn das Baby in der Wiege hustet oder das größere Kind im Nebenzimmer sich übergeben muss und weinend nach der Mama wimmert. Im Schlaf sind wir nicht wach und trotzdem nicht bewusstlos, sondern nehmen unsere Umgebung immer noch wahr. Das Gehirn kann auch jetzt noch unterscheiden, was jetzt gerade wichtig genug ist, um zu wecken. Und was viel zu unwichtig für diesen Aufwand ist.

Wenn denn der müde Mensch Schlaf findet. Jungen Menschen gelingt es relativ leicht einzuschlafen. Beneidenswert, der sich hinlegt, sich einkuschelt und schon jetzt mit dem Schließen der Augen Ruhe findet und in den Schlaf sinkt. Leider geht das nicht jedem so und sehr viele wälzen sich hin und her, überlegen, was sie tun können, um sich Ruhe und Erleichterung zu verschaffen. Schlaftabletten haben Nebenwirkungen, versprechen aber die ersehnte Ruhe. Manchmal müssen sie sein, manchmal ist der Griff zu den chemischen Helfern falsch. Hier das rechte Maß zu finden ist so schwer und individuell, dass nur ein kompetenter Arzt raten kann.

Doch bevor es so weit ist, lohnt sich ein Blick auf den Schlaf und das, was die Forscher über ihn bisher heraus gefunden haben. Das ist eine Menge, wenn dabei bedacht wird, dass es nicht möglich ist, in den Kopf zu schauen und die Nervenzellen einmal zu fragen, was denn so los ist.

Wir leben nach einem mehr oder minder festen Rhythmus, dem unser Körper folgt. So essen wir zu bestimmten Zeiten, die sogar in unsere kulturellen Gewohnheiten eingegangen sind. Neben dem bloßen Bedürfnis, Nahrung zu uns zu nehmen, kennt wohl jede Kultur auf unserem Planeten die Bedeutung eines gemeinsamen Essens.

Für den Schlaf gibt es keine kulturelle Lobby, wie es sie für das gemeinsame Essen gibt. Es ist ja in den meisten Kulturen nicht üblich, mit allen zusammen schlafen zu gehen. Andere Völker – andere Schlafsitten. Und alle gehen in das gleiche Bett. Mit Kinderfüßen im Gesicht und vielen Dellen in der Matratze. Eine Gewohnheit, die aus der Not heraus geboren ist. Zum Glück ist es eine Errungenschaft unserer Zivilisation und unseres Wohlstandes, dass ein eigenes Bett mittlerweile selbstverständlich für jeden ist.

Dennoch: Ehepaare schlafen in der Regel zusammen in einem gemeinsamen Bett. Die mehr oder minder klugen Geister streiten sich, ob es sich dabei um eine überkommene Unsitte alter Zeiten handelt, in denen angeblich die Ehe nur anlässlich der Zeugung möglichst vieler Kinder, vor allem männlicher, geschlossen wurde. Oder ob wir die Nähe zu einem geliebten und vor allem vertrauten Menschen brauchen. Da könnte etwas dran sein. Denn viele berichten, sie hätten sich in den Jahren und Jahrzehnten daran gewöhnt, den anderen im Bett neben sich zu wissen. Ist einer von beiden nicht da, schläft der andere oft schlecht. Besonders gravierend ist das nach dem Tod eines geliebten Partners, mit dem nicht selten fast das ganze Leben verbracht wurde.

Andere hingegen fühlen sich von dem Schnarchen, dem allnächtlichen Gesäge gestört. Gegen Schnarchen ist allerdings noch immer kein wirksames Kraut gewachsen. Manchmal liegt es an einer schiefen Scheidewand in der Nase, was operiert werden könnte. Immer wieder kommen Hilfen, Prothesen, Pflästerchen oder Mittel auf dem Markt, die helfen sollen. Das klappt oft nur bei einigen. Oft ist es einfach nur laut. Solange der Schnarcher nicht mit dem Atmen aussetzt. Dann unbedingt zum Arzt.

Weniger harmlos sind andere Störenfriede. Ältere Menschen sind von einigen Problemen häufiger betroffen als jüngere. Und sie leiden häufiger unter Schlafstörungen.

Allen voran sind die Probleme und Beschwerden zu nennen, die sich in den Gelenken einschleichen, weil sie bereits ein gearbeitetes Leben hinter sich haben. Abnutzungen, so häufig sie auch sind, führen in den meisten Fällen zu Beschwerden, Reißen und dauerhaftem Schmerz. Und Schmerzen können den Schlaf rauben.

Dauerhafte Schmerzen sind immer ernst zu nehmen. Betroffene sollten unbedingt mit ihrem Arzt darüber sprechen, ob und wie Abhilfe geschaffen werden kann. Manchmal reicht es aus, sich für eine andere Matratze zu entscheiden. Oder das Fenster zu schließen, um die gefährliche Zugluft auszusperren. Der kalte Hauch, der zum Beispiel über eine Schulter zieht, kann schmerzhaftes Reißen, Neuralgien genannt, auslösen. Manchmal hilft eine gezielte Krankengymnastik. Denn viele Fehlhaltungen lösen Schmerzen aus. Spezielle Übungen können hier korrigieren, auch wenn die Betroffenen Geduld haben müssen.

Viele Schläfer werden durch nächtlichen Harndrang geweckt. Auf der Toilette ergibt sich dann die Erkenntnis, dass die Blase eigentlich nicht voll gewesen ist. Mit einem Urologen sollte bei hartnäckigem Stören abgeklärt werden, ob es am Beckenboden liegt, ein Problem in den ableitenden Harnwegen sich aufgebaut hat oder es einfach nur eine hässliche Gewohnheit des eigenen Körpers ist. Die lässt sich mit gezieltem Training in den Griff bekommen.

Möglich ist ein solches Training auch, wenn die Gedanken im Kopf kreisen und die Ruhe nehmen. Das Grübeln raubt den Schlaf und bringt bei stark Betroffenen sogar Angst vor dem Einschlafen. Eine Furcht, die sonst nur Menschen kennen, die unter Albträumen leiden. Oft passiert das zwischen ein und zwei Uhr. Der Schlaf ist zu dieser Zeit nicht sehr tief, man wacht leicht auf. Und macht sich so seine Gedanken, die ohne gerufen zu sein, sich aufdrängen. Sorgen, Probleme und schwere Gedanken türmen sich auf und sehen im Dunkel der Nacht viel größer aus, als sie es am Tage wären.

Viele junge Menschen kennen das, aber ältere kämpfen viel häufiger mit den nächtlichen Grübeleien. Ein Kraut ist gegen Sorgen noch nicht gewachsen, aber Hilfe ist trotzdem möglich. Mit Disziplin und kleinen Tricks. Jeder muss sein eigenes Rezept finden. Die einen trinken dann einen Schluck Wasser, um einen klaren Strich zu ziehen. Dann legen sie sich wieder hin und sagen sich, die Schwiegertochter, über die man sich ärgert, ist jetzt nicht da. Jetzt kann man ihr nicht sagen, was sie alles falsch macht. Und jetzt muss man sich auch keine passenden Worte zurecht legen. Schluss jetzt!

Viele beten, andere konzentrieren sich auf Mantras. Das kleine Einmaleins, langsam im Kopf vorgestellt und mit der inneren Stimme gesprochen, kann helfen. Wem das zu leicht ist, der nimmt das Große. Wichtig ist allein, die Gedanken auf einen bestimmten ruhigen Punkt zu fokussieren. Und nicht mehr zu Sorgen, schrecklichen Nachbarn oder den Krankheiten der Kinder rennen zu lassen. Das erfordert etwas Übung und viel Selbstbeherrschung, hilft aber ein Stück weiter. Vor allem, wenn sich der gestörte Schläfer über die Störung an sich schon aufregt. Aufregung lässt den Körper Adrenalin ausschütten, unser Stresshormon. Leider hindert das am Schlafen.

Wenn es nicht mehr anders geht, sollte der Griff zu Medikamenten nicht gescheut werden, solange mit dem Arzt des Vertrauens darüber gesprochen wird. Bei pflanzlichen Präparaten ist die Dosierung wichtig. Zu wenig hilft nicht, höhere Dosen sind apothekenpflichtig, können aber mit anderen Arzneien Wechselwirkungen haben. Ärzte können das besser abschätzen und hier gezielter raten.

Schlafmittel wie zum Beispiel Barbiturate müssen auf einem Rezept verschrieben werden. Sie wirken gut und zuverlässig, können aber abhängig machen. Grund genug, sie der ärztlichen Kontrolle zu überantworten. Kurz und gezielt eingesetzt helfen sie über die schwere Schlafstörungen hinweg. Doch sind sie keine Dauerlösung.

Schlafen ist eine wichtige, aber manchmal schwer zu bewältigende Sache. Mit der sogenannten Schlafhygiene ist schon viel getan. Kein langes Fernsehen, kein Computerspielen vor dem Schlafen gehen, liebe zwei oder drei Seiten lesen. Nicht zu viel Alkohol. Ist der Schlaf mehr gestört, muss frühzeitig mit dem Arzt gesprochen werden. Zu lange zu warten, ist ein Fehler. Gelassenheit hilft auf jeden Fall weiter. Schlafen Sie gut!