Schnarchen – eine Volkskrankheit?

In den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass die Präsenz des Themas „Schnarchen“ aus gesellschaftlicher Sicht stetig zugenommen hat. Häufig leiden nicht nur die Betroffenen selbst unter den Folgen, sondern auch ihre Angehörigen, für die das nächtliche Schnarchen ebenfalls eine erhebliche Belastung darstellt. Während das Schnarchen bei geringer Ausprägung völlig normal ist, bedarf ein intensives Schnarchen, welches häufig von Atemaussetzern begleitet wird, einer ärztlichen bzw. medizinischen Abklärung. Die obstruktive Schlafapnoe sorgt nämlich für eine verminderte Sauerstoffversorgung des Körpers – insbesondere des Gehirns-, die zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann. Erfahren Sie im Folgenden, welche Schritte Sie unternehmen können, um dem Schnarchen zu begegnen.

Das gesunde Schnarchen

Sofern keine pathologische, schlafbezogene Atemstörung vorliegt, handelt es sich um das kompensierte Schnarchen. Aus medizinischer Sicht liegen hierbei keine krankhaften Ausprägungen vor. So ist es absolut normal, dass mit steigendem Alter die Neigung zum Schnarchen zunimmt. Dies betrifft sowohl Frauen als auch Männer gleichsam. Von 100 Personen schnarchen im höheren Lebensalter ungefähr 60 Männer und 40 Frauen. Bei Kindern ist das Schnarchen sehr geringfügig ausgeprägt. Lediglich 10 von 100 Kindern schnarchen.

Wie Schnarchen entsteht

Die Ursachen von Schnarchen können vielfältig sein. Häufig zu beobachten ist jedoch, dass das Schnarchen mit einer Engstellung der oberen Atemwege zusammenhängt. Begründet liegt dies darin, dass die Muskelspannung, auch als Muskeltonus bekannt, während des Einschlafens im Bereich der Atemwege deutlich abnimmt. Die Erschlaffung der Muskulatur führt dazu, dass sich die Vibrationsneigung des Weichgewebes erhöht. Daneben sind die Engstellen der oberen Atemwege für eine Zunahme der Atemflussgeschwindigkeit ursächlich. Hervorgerufen werden diese durch die jeweiligen anatomischen Besonderheiten des Patienten. Ein Weichteilüberschuss im Bereich des Gaumens oder des Rachenbereichs zählen zu den häufigsten Ursachen des Schnarchens. Hervorzuheben im Bereich des Gaumens ist insbesondere das Zäpfchen, welches den Effekt des Schnarchens deutlich verstärken kann. Aber auch andere – zumeist harmlose Krankheiten – können zur Verengung der oberen Atemwege führen. Gemeint sind z.B. Erkältungskrankheiten oder Allergien, die beispielsweise Schnupfen verursachen oder das Anschwellen der Mandeln am Gaumen oder Rachenraum begünstigen. Aber auch das Vorliegen einer verkrümmten Nasenscheidewand sowie Adipositas, wobei Letzteres durch entsprechende Lipid- bzw. Fetteinlagerungen im Rachenbereich gekennzeichnet ist, können als Ursache dienen.

Die Risiken einer obstruktiven Schlafapnoe

Spätestens, wenn Sie sich morgens unausgeruht fühlen und andere Ursächlichkeiten, die Ihren Schlaf beeinträchtigen könnten als Störquelle ausscheiden, sollten Sie sich mit dem Problem der Schlafapnoe befassen und ärztlichen Rat aufsuchen. Zumeist verbirgt sich hierhinter eine sogenannte obstruktive Schlafapnoe, die sich durch langanhaltenden sowie sich wiederholenden Atemaussetzer kennzeichnet. Nicht selten dauern diese 45 Sekunden lang an. Während dieser Zeit ist Ihr Gehirn in Bezug auf den Sauerstoffgehalt im Blut deutlich unterversorgt. Dabei gibt es auch durchaus Patienten, bei denen die Schlafapnoe bis zu zwei Minuten andauert. Hierbei handelt es sich um Extremfälle.

Die Folgen, die durch die mehrfach in der Nacht auftretenden Atemaussetzer verursacht werden, sind vielfältig. Durch den gestörten Schlaf klagen Betroffene häufig über Müdigkeit am Tag. Daneben gehören Vergesslichkeit sowie Konzentrationsschwäche zu den am häufigsten genannten Symptomen. Sobald dieser Zustand chronische Ausmaße annimmt, können diese Begleiterscheinungen zu Angstzuständen oder sogar zu einer depressiven Verstimmung führen. Auch die Zunahme des Risikos, an Herz-Kreislauf-Störungen zu erkranken, ist laut Studien nicht zu vernachlässigen. Begründet liegt dies vor allem in den im Zusammenhang mit der Schlafapnoe stehenden Bildung von Stresshormonen, die negativ auf den Körper einwirken.

Wie Sie dem anfänglichen Schnarchen entgegentreten

Hält dieser Zustand über mehrere Wochen an, empfiehlt es sich, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um Abhilfe zu schaffen. Damit Ihr Schnarchen bald der Vergangenheit angehört, möchten wir Ihnen ein paar Hilfestellungen an die Hand geben:

– Veränderung der Schlafposition

Sie schlafen auf dem Rücken und schnarchen? Die Einnahme der Seiten- oder Bauchlage kann zu einem schnarch freien sowie erholsamen Schlaf beitragen. Probieren Sie es aus.

– Meiden von entspannungsfördernden Mitteln

Ein gemütliches Essen mit der Familie oder unter Freunden – dazu ein Glas Wein und zum Abschluss noch einen Schnaps, der für ein wohlig warmes Gefühl in der Magengegend führen soll. Vergessen Sie dabei nicht, dass Schnaps nicht nur den Verdauungsvorgang verzögert, da zunächst der Blutalkohol abgebaut werden muss, sondern auch das Schnarchen begünstigt. Begründet liegt dies in der zunächst entspannenden Wirkung des Alkohols auf den Körper, insbesondere auf die Atemmuskulatur. Gleiches gilt für die Einnahme von Medikamenten, die ebenfalls entspannend auf die Muskulatur der Atemwege einwirken. Hierzu zählen beispielsweise die entspannungsfördernden Muskelrelaxantien oder Schlafmitteln.

– Gewichtsabnahme

Wie bereits erwähnt besteht bei vorliegendem Übergewicht die Möglichkeit eines Gewebeüberschusses im Rachen- bzw. Halsbereich. Im Fall, dass auch Sie von Adipositas betroffen sind, empfiehlt sich eine Reduzierung des eigenen Körpergewichts, sodass Sie, vielleicht aber auch Ihr Partner wieder von einem erholsamen Schlaf profitieren können.

– Förderungsmaßnahmen für eine gesunde Atmung

Sofern dem Schnarchen eine Erkältung als Ursache zugrunde liegt, kann unter Umständen die Zuhilfenahme eines herkömmlichen Nasenpflasters zur Linderung Ihrer Schnarchproblematik beitragen. Durch das Anbringen des Nasenpflasters kann eine Erleichterung der Atmung begünstigen.

– Allergietest

Während Patienten nur selten wissen, dass sie an einer Allergie leiden, gehört der Allergietest bei Ärzten bei Vorliegen einer Schnarchstörung zur medizinischen Standarduntersuchung. Häufig leidet der Betroffene unter einer sogenannten Hausstauballergie, die durch Milben verursacht wird und das Immunsystem – vor allem bei Allergikern – beeinträchtigt. Die durch die kleinen spinnenartigen Tierchen verursachte Atemnot kann sehr unangenehm sein. Abhilfe schafft hier das Aufziehen spezieller Allergikerbettwäsche bzw. -bezüge. Diese erhalten Sie mittlerweile in jeder Bettenabteilung.

Abhilfe durch Bandagen und Mundstücke?

Sofern die bereits aufgeführten Maßnahmen zu keiner Linderung Ihrer Beschwerden beitragen, sollten Sie sich überlegen, ein anderes Medium, in Form einer Anti-Schnarch-Bandage auszuprobieren. Die aus einem elastischen Stretchmaterial bestehende Bandage gibt es in mehreren Ausführungen – zum Einen für den Brustbereich und zum anderen für den Kopf selbst. Die Bandage für den Brustbereich wird vor dem Zu-Bett-Gehen umgeschnallt und dient in der Nacht als Wendestopp, sodass dadurch eine Seitenlage erzwungen wird. Die Lösung für den Kopfbereich eignet sich wiederum für Menschen, die ausschließlich mit offenem Mund schnarchen. Das Öffnen des Kiefers wird durch die Bandage verhindert.

Gleiches gilt für das Anti-Schnarch-Mundstück. Das aus der Dentalindustrie stammende Teil sorgt nach dem Einsetzen dafür, dass die Atemwege durch entsprechende Positionierung der Zunge frei sind und dadurch eine Reduzierung der unangenehmen Atemgeräusche eintritt. Die Mundplasten sind mittlerweile in verschiedenen Ausführungen verfügbar, wobei der Zweck stets derselbe ist.

Das Schlaflabor als weitere medizinische Behandlungsmöglichkeit

Gewissheit über das Vorliegen einer obstruktiven Schlafapnoe kann letztlich nur durch die Überwachung des nächtlichen Schlafverhaltens erlangt werden. Hier hilft der Hausarzt gerne weiter und stellt Ihnen eine entsprechende Überweisung für den Aufenthalt in ein Schlaflabor aus. Diese Einrichtungen sind auf die Betroffenen spezialisiert und analysieren, ob und in welchem Umfang die Atemaussetzer vorliegen. Sollte der Befund tatsächlich für das Vorliegen einer Schlafapnoe sprechen, so kann als Gegenmaßnahme eine Atemmaske während des Schlafes zum Einsatz gelangen. Hierdurch können die Atemwege frei gehalten werden. Das Schnarchen wird verhindert.

Der operative Eingriff als letzter Ausweg

Auch operative Verfahren gehören mittlerweile zum Alltag, um dem Schnarchen entgegenzuwirken. Die Wirkung dieser Eingriffe ist allerdings kein Garant dafür, dass das Schnarchen behoben wird. Während einzelne Patienten über positive Erfahrungen nach einer OP berichten, gibt es wiederum auch andere Patienten, die auch nach einem solchen Eingriff unter den Symptomen des Schnarchens leiden. Es hängt somit stark vom jeweiligen Einzelfall ab. Ein intensives Gespräch Chancen und Risiken eines solchen Eingriffs sollten im Vorfeld ausführlich mit dem zuständigen Arzt abgeklärt werden. Aufgrund der Empfindlichkeit des operativen Bereichs – des Mundraums bzw. der Mundhöhle – sollten die sich daraus ergebenden möglichen Komplikationen, wie z.B. Schluckbeeinträchtigungen, nicht unterschätzt werden. Sprechen Sie deshalb stets Ihren Arzt an.

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